Mammatumore

Immer wieder kommen Besitzer von Hunden zu mir in die Praxis und sind unsicher bei auftretenden Knoten in der Gesäugeleiste. Oft handelt es sich um bösartige Tumore, deren Behandlung sinnvoll und lebensverlängernd ist. Daher möchte ich gerne zu dem Thema etwas ausführlicher informieren.

Woran erkennen Sie als Besitzer, dass Ihr Tier erkrankt ist?

In der Regel fallen Ihnen eine oder auch mehrere Knoten in der Gesäugeleiste auf. In den meisten Fällen sind die letzten beiden Drüsenkomplexe betroffen, es können aber auch andere Drüsen betroffen sein. Der Tumor kann sich sowohl an der Brustwarze bilden oder nur das umliegende Brustdrüsengewebe betreffen.

Wie komme ich als Arzt zu meiner Diagnose?

Durch Abtasten oder äußere Betrachtung des Knotens kann kein Arzt auf dieser Welt feststellen, ob die Knoten bei Ihrem Hund gut- oder bösartig sind.

Um eine exakte Diagnose stellen zu können, ist die genaue Untersuchung einer Gewebeprobe nötig. Deshalb werden alle Umfangsvermehrungen von mir chirurgisch entfernt und anschließend mikroskopisch untersucht.

Noch vor der operativen Entfernung ist es wichtig, eine Lymphknotenbeteiligung und das Vorliegen von Fernmetastasen (Tochtergeschwülsten) auszuschließen. Deshalb röntge ich die Lunge Ihrer Hündin und untersuche den Bauchraum per Ultraschall. Sind vergrößerte Lymphknoten zu tasten, wird versucht, aus ihnen mittels einer Feinnadelaspiration Zellen zu gewinnen. Diese Lymphknotenprobe wird anschließend unter dem Mikroskop auf Tumorzellen untersucht.

Diese Untersuchungen sind wichtig, um eine Prognose über den möglichen Verlauf der Erkrankung und der Lebenserwartung geben zu können.

Die weitere Therapie nach der chirurgischen Entfernung richtet sich nach der Tumorart, nach dem Tumorgrad, nach der Vollständigkeit der operativen Entfernung und danach ob z.B. bereits Tumorzell-Einbrüche ins Blut- oder Lymphgefäßsystem bestehen.

Ammenmärchen

Es halten sich hartnäckig einige falsche Aussagen über Knoten oder Gewebeveränderungen. Betrachten wir die wichtigsten:

  1. Kleine Knoten sind oft gutartig. Jeder Tumor, ob gut- oder bösartig fängt klein an.
  2. Solange der Knoten sich nicht verändert, braucht er nicht operiert werden. Gerade kleine Knoten lassen sich leichter entfernen. Und würden Sie das bei sich auch so halten?
  3. Solange nur ein Knoten nachweisbar ist, lohnt sich die Operation nicht. Hier gilt: Je früher entfernt, desto besser der Langzeiterfolg. Gesäugetumore sind neben Hauttumoren die häufigste Krebsart bei Hunden und führen die Liste der häufigsten Todesursachen mit an.

Kann ich die Bildung von Mammatumoren verhindern?

Deutlich verringern lässt sich das Auftreten von Mammatumoren durch eine Frühkastration. Wenn Sie also nicht mit Ihrer Hündin züchten möchten, sollten wir darüber reden. Durch eine Kastration vor der ersten Läufigkeit wird das Risiko für Mammatumoren fast vollständig eliminiert. Bei einer Kastration innerhalb der ersten zweieinhalb Lebensjahre ist das Risiko wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge immerhin noch um ein Vierfaches kleiner.

Welche Lebenserwartung und Lebensqualität hat Ihr Tier?

Hier gilt wie auch bei uns Menschen: Je früher der Tumor entdeckt wird und je kleiner er ist, desto besser ist die Prognose.

Die Prognose hinsichtlich der Lebenserwartung ist individuell sehr unterschiedlich. Generell ist sie abhängig von der Tumorart, der Größe des Tumors, der histologischen Differenzierung und dem Vorliegen von Metastasen. Bei einem vollständig entfernten gutartigen Tumor kann das Tier anschließend als geheilt betrachtet werden. Jeder neu auftretende Tumor muss wieder untersucht und behandelt werden.

 

Ihre Hündin ist schon älter, „lohnt“ sich die Operation überhaupt?

Ich höre immer wieder, dass Patientenbesitzer sich fragen, ob die Operation bei einem älteren oder alten Hund die tatsächliche Lebenserwartung überhaupt noch verlängern würde. Natürlich kann das niemand genau sagen. Tatsache ist jedoch, dass ein Krebstumor die Lebenserwartung auf jeden Fall verkürzt.

Hinzu kommt, dass gerade ältere Hündinnen gegenüber Geschwülsten weniger Abwehrkraft hat und von der operativen Entfernung des entarteten Gewebes profitiert. Die Narkosen sind heutzutage so risikoarm wie noch nie, so dass auch hier so gut wie keine Gefahr droht.

 

Drei Beispiele hierzu:

1.Eine zehn Jahre alte Labradorhündin hat Mammatumore. Ihr geht es dem Alter entsprechend gut. Das bedeutet, sie kann noch eine voraussichtliche Lebenserwartung von mehreren Jahren haben. Die Tumore werden jedoch metastasieren und so ihre Lebenserwartung unter Schmerzen drastisch reduzieren. Eine Operation ist mehr als sinnvoll.

2- Eine 13-jährige Dackelhündin hat beide Gesäugeleisten voller Knoten. Eine Untersuchung ergibt, dass noch keine Metastasen gebildet wurden. Auch hier ist eine Operation sinnvoll. Es werden beide Gesäugeleisten entfernt und somit das Risiko einer weiteren Krebsausbreitung minimiert. Die Lebenserwartung der Hündin kann sich im rassetypischen Rahmen bewegen ohne weiteres Auftreten von Tumoren. Das bedeutet, Sie haben noch mehrere Jahre ein schönes Leben miteinander.

3. Eine 9-jährige Berner Sennenhündin hat drei Knoten in der Gesäugeleiste. Im Röntgen ergibt sich, dass sich bereits Metastasen in der Lunge und Leber befinden. Eine Operation ist hier nicht mehr sinnvoll. In einem solchen Fall entscheiden wir nun gemeinsam, wie der weitere Lebensweg der Hündin aussehen soll und wie man ihre eventuellen Schmerzen auf ein Minimum reduzieren kann, um ihr die verbleibende Zeit möglichst schön zu gestalten.

 

Was schließen wir daraus? Halten Sie es bei Ihrem Hund wie bei sich: Wenn Sie einen Knoten bei sich feststellen, lassen Sie diesen schnellstmöglich bei dem Arzt Ihres Vertrauens abklären. Bitte machen Sie das mit Ihren Lieblingen genauso.

Ihr Dr. Ansgar Waldmann